Gewalt als Lösung in Schulen?
Gewalt ist keine Lösung
Gewaltprävention und Konfliktmanagement an Schulen
Preis: 16,90 EUR
Autor: Rupert Herzog
Auf der Suche nach dem Buchcover begegneten mir viele bemerkenswerte Bilder.
Das reizt zu einer ultimativen Rezension zur Gewaltprävention in der Schule
Frieden ist out Gewalt-Prävention ist in. Da ich ein Anhänger von Paul Watzlawik und Milton Erikson und der Fantasieanalyse nach DeMausse bin habe ich mit Gewaltfreiheit, Gewaltprävention und dergleichen meine liebe Not. Eigenlich sind das ja sehr verwandte Ansätze zur Friedenspädagogik.
Aber als Systemiker weiß ich, dass das Fokussieren auf Probleme und Gewalt leicht zur Problemtrance bzw. zur unbewussten Verhaftung in der Gewalt führen kann. Über verschlungene Inszenierungen kehrt dann die Gewalt in die Freiheit zurück. Eine Bessere Prognose würde ich einer Anleitung zum Unfrieden geben.
Unfrieden tendiert eher dazu Frieden zu verneinen und auf verschlungenen Wegen letztlich im auf allseitiger Befriedigung gegründerter Konfliktkultur zu enden. Aber geben wir dem Gewaltpräventionsgenre eine faire Chance als erheblich bescheideneres Kind im Vergleich zu der von mir präferierten Friedenspädagogik.
Nun straigt zum Buch:
Gewaltprävention und Konfliktmanagement an Schulen
Das Buch befasst sich mit einer Problematik, die viele Lehrerinnen und Lehrer aus ihrem Schulalltag kennen:
- Konflikte und
- Gewalt.
Gepeinigte Lehrende sollen im Buch folgendes finden:
- Anregungen, Hilfestellungen und
- Tipps,
wie sie die realen Konflikte in ihrer Klasse und die Gewalterfahrungen ihrer SchülerInnen
- wahrnehmen, verstehen und
- nachhaltig bearbeiten können.
„Jeder Mensch ist einzigartig. Sie können mit Kindern nur dann erfolgreich arbeiten, wenn Sie jedes Kind als einzigartiges Individuum sehen, an dieser Einzigartigkeit ansetzen und diese fördern. Alle Menschen, junge und alte, haben unendlich viele Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen und können voneinander lernen. Wir sollten uns vielmehr an den Kompetenzen der SchülerInnen orientieren und diese fördern. Trotz unseres Schulsystems, das sich leider fast ausschließlich an Defiziten, Vergleichen und Bewertungen orientiert. Schulischer Erfolg entsteht immer dann, wenn die SchülerInnen ihre eigenen Kompetenzen spüren, erfahren und aktivieren. Aus gewaltpräventiver Sicht kann ich Ihnen nur empfehlen:
Wenn Sie das Gefühl haben, SchülerInnen kommen aus einer völlig anderen Lebenswelt, sie sind überfordert, dann drücken Sie ihnen keinen lebensfremden Lehrplan auf. Begegnen Sie SchülerInnen dort, wo sie sich befinden. Jede Schülerin und jeder Schüler ist wichtig.“
Diese Sätze am Beginn von Herzogs Handbuch zum Umgang mit Gewalt sind widersprüchlich, denn eine konsequentere ressourcenorientierte Sicht würde primär auf das Potential der Friedensfähigkeiten jedes Menschen fokussieren und nicht auf die Probleme gewalttätiger Kinder.
Abgesehen von diesem systematisch brachliegenden Potential beim Ansatz der Gewaltprävention eigenen sich wahrscheinlich einige Angebote von Herzog für Schulen auch zur Übertragung auf andere konkrete Gewaltsituationen im Alltag übertragen.
Unterentwickelte soziale Beziehungen so Herzog seien eine entscheidende Ursache für gewalttätiges Verhalten. Die Fähigkeit sie aktiv zu gestalten sieht er als erfolgreichen Weg dieses Verhalten zu überwinden. Try harder mit Gewalt(prävention)?
Das Buch wendet sich insbesondere an Lehrpersonen
Herzog nimmt klar Partei für eine Kultur des Eingreifens. Er vertritt die Überzeugung, dass gegen gewaltfördernde soziale Beziehungen vorgegangen werden kann.
Das Buch beschwört (k)eine zunehmend gewaltbereite Jugend, der wir hilflos, verängstigt und fassungslos gegenüberstehen.
Es liefert uns dafür eine Vielzahl an Hilfestellungen, mit Gewaltsituationen umzugehen und sie zu überwinden. Es bildet damit eine Ermutigung für alle, die sich gegen Gewalt engagieren.
Posted in Friedenspädagogik, Gewaltprävention