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Killerdrohnen fasten im Ramadan

Erstellt am 06.02.2025 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 21 mal gelesen und am 25.02.2025 zuletzt geändert.

Autonome Waffen: Auf dem Weg zu einem globalen Tabu?

Am 27. und 28. März 2025 findet in Genf die Global Conference on AI, Security and Ethics 2025 (#AISE25) statt. Organisiert vom United Nations Institute for Disarmament Research (UNIDIR) und gesponsert von Microsoft, bringt diese Konferenz führende Diplomaten, Wissenschaftler, Vertreter der Rüstungsindustrie und der Zivilgesellschaft zusammen. Das Ziel: die ethischen, sicherheitspolitischen und friedensbezogenen Implikationen von KI in Militär und Verteidigung zu diskutieren.

Während die Diplomatie in Genf über die Zukunft von KI im Krieg debattiert, setzen viele Staaten längst autonome Drohnen und Algorithmen zur Kriegsführung ein. Der Ukraine-Krieg, der Einsatz hochentwickelter KI-gestützter Waffensysteme in Israel und Chinas rapide Fortschritte im Bereich algorithmischer Kriegsführung zeigen, dass die Entwicklung außer Kontrolle geraten könnte. Die Frage ist: Wie kann es gelingen, ein Tabu gegen diese Waffensysteme zu etablieren, bevor es zu spät ist?

Erste Warnungen und historische Parallelen

Bertha von Suttner warnte bereits 1913 in ihrer Schrift „Die Barbarisierung der Luft“ vor einer entgrenzten Kriegsführung durch neue Technologien. Heute könnten wir von einer „Barbarisierung der KI“ sprechen. Denn autonome Waffen senken die Hemmschwelle zum Krieg und drohen, militärische Entscheidungen an Algorithmen zu delegieren, ohne menschliche Verantwortung.

Die Geschichte zeigt, dass Warnungen oft ignoriert werden – bis eine Katastrophe eintritt. So wurde das Verbot von FCKW erst nach der Entdeckung des Ozonlochs ernst genommen, und das Atomwaffenverbot brauchte 76 Jahre von Hiroshima bis zum Inkrafttreten des Vertrags über das Verbot von Kernwaffen (TPNW) 2021. Die Frage ist: Müssen erst autonome Waffen einen verheerenden Fehler begehen, bevor die Weltgemeinschaft handelt?

Messbare Fälle und erste Whistleblower

Bisher gibt es keine öffentlich bestätigten Fälle, in denen autonome Waffen unabhängig tödliche Entscheidungen getroffen haben. Doch Experten warnen, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. Berichte über tödliche Drohnenangriffe, die durch KI-Systeme unterstützt wurden, häufen sich. Whistleblower wie Edward Snowden haben bereits auf intransparente militärische KI-Projekte hingewiesen. Doch noch fehlt ein „Skandal“, der die Welt wachrüttelt.

Wie lässt sich eine Ächtung autonomer Waffen erreichen?

Erfolgreiche Tabus, etwa gegen biologische Waffen oder Chemiewaffen, zeigen, dass es einer Kombination aus internationalem Druck, kultureller Sensibilisierung und politischen Abkommen bedarf. Hier einige Maßnahmen:

  • Gesellschaftliche Ächtung aufbauen: Medien, Wissenschaftler und Aktivisten müssen autonome Waffen als „unmenschlich“ und „ethisch inakzeptabel“ brandmarken – ähnlich wie bei chemischen oder biologischen Waffen.
  • Hollywood und Medien nutzen: Filme wie Terminator haben bereits Ängste vor „Killerrobotern“ geschürt. Dokumentationen und investigative Berichterstattung könnten die Debatte in die breite Öffentlichkeit tragen.
  • Allianzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und NGOs: Das Future of Life Institute setzt sich mit führenden KI-Forschern gegen autonome Waffen ein. Unternehmen wie Google und Microsoft haben sich bereits von der Entwicklung solcher Systeme distanziert. Weitere Technologieunternehmen sollten sich anschließen.
  • Politischer Aktivismus stärken: Bewegungen wie die Campaign to Stop Killer Robots fordern ein Verbot autonomer Waffen auf UN-Ebene. Druck auf Regierungen kann helfen, multilaterale Abkommen voranzutreiben.

Fazit: Die Zeit drängt

Die Global Conference on AI, Security and Ethics 2025 in Genf könnte ein Wendepunkt in der Debatte um autonome Waffen sein. Wenn Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft sich dort einig sind, dass tödliche KI-Systeme ein unkontrollierbares Risiko darstellen, könnte dies der erste Schritt zu einem globalen Tabu sein. Doch die Frage bleibt: Wird das Treffen in Genf konkrete Maßnahmen hervorbringen oder wird es – wie viele Abrüstungskonferenzen zuvor – an den Interessen der Großmächte scheitern?

 

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